Die Geheimnisse einer unterschätzten Region

Dortmund Phönix
Dortmund Hörde
Dortmund Gartenstadt
Dortmund Gartenstadt Abendstimmung
Dortmund Hörde Phönix-See
Dortmund Hörde Wahrsagerin
Dortmund Hörde Türkischer Kulturverein

Seitdem ich angestellt bin, habe ich Zeit, Freizeit, unausgefüllte Zeit, wie immer man das nennen mag. 37,5 tariflich festgelegte Arbeitsstunden sind nicht viel, und wenn dann noch ein Tag wie der heutige dazukommt, bei dem man aufgrund einer vorangegangenen Wochenendveranstaltung Stunden „abgleiten“ muss – dieser Begriff kam vor ein paar Wochen in meinem Wortschatz noch nicht vor – dann muss ich tatsächlich überlegen, was ich denn nun mit meiner freien Zeit anfange.

Romantik ist, wenn einer vor Kälte zitternd vor dem Dortmunder U steht und seinem Telefon erzählt: „Wir warten auf die Tauben!“ Die Leute lieben Tauben, am meisten in der Video-Installation am Brauerei-Turm. Diese Sätze von Annika Fischer im heutigen WAZ-Artikel zur letzten Extraschicht (Nacht der Industriekultur), brachte mich auf die Idee: Ich mag das Ruhrgebiet und seine vielen verschiedenen Facetten. Nicht die inszenierten und nicht die illuminierten, vielmehr die vielen kleinen, die einem täglich begegnen und die das Leben in dieser Region so lebenswert machen. Diese Kleinode am Wegesrand sind es, von denen ich von nun berichten möchte.

Seit etwa zweieinhalb Jahren wohne ich in Dortmund. Ich habe diese Stadt von Anfang an gemocht. „Ruhrgebiet muss man wollen“, sagt eine Freundin von mir – selbst gebürtige Dortmunderin – immer. Ich würde das so nicht ausdrücken. Dortmund ist nicht chic (was sehr entspannend sein kann), an vielen Stellen ist es sogar ausgesprochen hässlich (gibt es eine Stadt, die das nicht von sich behaupten kann?), oft ärgere ich mich, wie wurstig manche Mitbürger mit ihrer Umwelt umgehen. Der Stadtteil Hörde ist seit einigen Jahren eine einzige Baustelle, eine schier unendliche Umleitung, die Architektur nur vereinzelt optisch ansprechend, Nachkriegszweckbauten eben. Und dann: Ein paar Schritte reichen, man wandelt in Dortmunds Gartenstadt über Kopfsteinpflaster und reibt sich erstaunt die Augen – so kann diese Stadt auch aussehen? Ein bisschen nobler, ein bisschen gepflegter, ein bisschen verspielter, aber immer noch irgendwie „normal“. Ein Spaziergang durch eine ehemalige Zechensiedlung, man wundert sich über die großen Gärten, in denen die Wahl der Bepflanzung, der Gartenmöbel und der Outdoor-Accessoires immer von einer ungeheuren Identifikation und Liebe zur eigenen Scholle sprechen. In jedem zweiten Garten ist – bereits vor der WM – eine Deutschland-Fahne gehießt. Komisch, hier wirkt das plötzlich ganz selbstverständlich.

Geschmackvoll und vielleicht geschmacklos – da gibt´s im Ruhrgebiet keinerlei Berührungsängste. In friedlicher Gemeinschaft existiert man hier nebeneinander. Schönes wechselt ab mit Unansehnlichem, wie Dinge wirken, darüber macht man sich hier nicht lange einen „Kopp“, so scheint es. Der türkische Kulturverein (warum haben unsere türkischen Mitbürger eigentlich so eine Vorliebe für Neonlicht?) einen Steinwurf entfernt vom zukünftigen Mehr-Sterne-Hotel, das Tatoo-Studio in unmittelbarer Nähe zur zukünftigen Marina – alles kann, nichts muss!

Ein Gedanke zu „Die Geheimnisse einer unterschätzten Region

  1. Lunacy

    Ich selber komme ja ursprünglich aus dem Sauerland. Nicht tiefes Sauerland, sondern nur ca. 20-30 Minuten entfernt von Dortmund, dem Tor zum Sauerland, Arnsberg/Neheim-Hüsten. Früher war es ein Highlight zum Shoppen mal nach Dortmund zu fahren, in die „Großstadt“. Ich bin auch ganz früher mit meinem Vater, jeden 2. Samstag nach Dortmund ins Westfalenstadion gefahren, um die Jungs anzufeuern. Teddy de Baer, Norbert Dickel, Frank Mill, das waren damals noch die Stars und vorher gab es noch ne Runde Cola im Pferdestall. Im Stadion dann natürlich ne Bockwurst mit Senf und Toast und ne Tüte Mandeln. Erinnerungen werden wach. Dortmund hat seinen eigenen Charme. Ich muss da mal wieder hin, wa?
    LG
    Anja und danke für die Erinnerungstour

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s