Bei Kanzlers zu Hause

Foto Ehemaliger Bundeskanzlerbungalow Bonn

Da liegt er eingebettet in das satte Grün des Parks zwischen dem ehemaligen Bundeskanzleramt und dem Palais Schaumburg – unaufgeregt, zurückhaltend, leicht und immer noch modern: der Kanzlerbungalow.

Am vergangenen Wochenende ging es nach Bonn, in die Stadt, in der ich studiert habe und in der die damals ansässige Bundesregierung zwar präsent, aber nicht ständiges Gesprächsthema war. Ein Freund meines Lebensgefährten hatte eine Führung durch eines der wohl berühmstesten Einfamilienhäuser Deutschlands organisiert, und ich war sehr gespannt. Die im Februar ausgestrahlte WDR-Doku  „Geheimnisvolle Orte – Kanzlerbungalow“ hatte ich bereits aufgesogen. Wie würde es sich anfühlen, diesen Ort mit 35 Jahren Geschichte selbst einmal zu besuchen?  Ein kleines bisschen aufregend. Geht doch einfach mit auf Entdeckungstour.

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Bonn besitzt ein modernes U-Bahn-Netz und so reist man unterirdisch bequem und schnell zur Haltestelle Heusallee / Museumsmeile, die einen unterirdischen Eingang zum Haus der Geschichte besitzt. Hier gab es schon eine kleine visuelle Einstimmung auf unsere kleine Zeitreise. Führungen in den Kanzlerbungalow können über das Haus der Geschichte nachgefragt werden. Es lohnt sich!

Sep Ruf hat den Kanzlerbungalow 1963 im Auftrag Ludwig Erhards entworfen und damit einen wundervollen Bau der Klassischen Moderne geschaffen. 35 Jahre lang residierten in den Wohn- und Empfangsgebäude die Kanzler der Republik – mal mit, mal ohne Gattin, mal in heller Begeisterung für die moderne und sachliche Ausführung und mal auch deutlich weniger davon angetan. Der letzte Kanzler war Gerhard Schröder, der in einem Interview einmal gesagt haben soll: bayerischer Architekt, Kohl, zu viel Holz: Bahhh!

An einigen Stellen trägt das Interieur immer noch bewußt die Handschrift der damaligen Bewohner. Der Emfangsteil wurde zu gr0ßen Teilen wieder in der Originalzustand versetzt und mit dem ursprünglichen Mobiliar eingerichtet. Kann man sich vorstellen, dass in den braunen Polstermöbeln Helmut Kohl seinen Feierabend verbrachte? Und doch ist es so, von ihm bzw. seiner Familie stammen nämlich die Möbel, die Teppiche und die mondänen Deckenlampen im Wohnbereich, die deutlich den Geschmack der 80er widerspiegeln.

Es war interessant und ging sogar ein wenig unter die Haut. Ein bisschen stolz war ich sogar auf die BRD der 60er, in der sich ein ansonsten als bodenständig bekannter Ludwig Erhard dazu entschloss, mit einem modernen, aber äußerst zurückhaltenden Neubau eine neue Ära der deutschen Geschichte einzuleiten. Nicht prahlerisch, aber ruhig und auf das Wesentliche reduziert – eine gestalterische Absicht, die auch nach 50 Jahren noch deutlich ablesbar ist und von der eine wohltuende Ruhe ausgeht.

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Foto Interieur Kanzlerbungalow

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